Halbmarathon-Finisher beim RheinEnergie Marathon Köln

Halbmarathon-Finisher beim RheinEnergie Marathon Köln

Auf nach Köln

Es ist der 07. Oktober 2018 um 6.45 Uhr. Wir stehen am Bahnhof und warten mit anderen Läufern auf die Bahn, die uns nach Köln-Deutz zum Startpunkt des RheinEnergie Marathon bringen soll. Die Pläne für ein optimales Frühstück am Morgen waren groß, doch die Nervosität vor meinem ersten Halbmarathon war fast unerträglich. Ich habe kaum einen Bissen hinunter bekommen. Lediglich eine Banane konnte ich zu mir nehmen. Schon die Nacht verlief sehr unruhig. Bereits um 5 Uhr konnte ich nicht mehr schlafen. So viele Gedanken schwirrten mir im Kopf umher.

Die ganze Woche war ich schon sehr aufgeregt und unsicher. Meinen letzten Trainingslauf hatte ich 5 Tage vor dem großen Lauf. Seit dem zwickte meine Wade ordentlich. Bereits im Sommer hatte ich große Probleme mit der Wade und musste sogar ein paar Wochen pausieren. Eigentlich lief es ab Ende August wieder ganz gut. Auch beim letzten Trainingslauf deutete nichts auf die Problem-Wade hin. Am Abend des letzten Laufes dann begann es allerdings ordentlich in der Wade zu zwicken. Es war teilweise sogar in Ruhestellung noch schlimm, so dass ich in der Nacht Albträume davon bekam. So vergingen die Tage bis zum 07. Oktober sehr unruhig. Wann immer ich konnte nahm ich Muskelbäder und massierte die Wade. Am letzten Tag vor dem Lauf zwickte die Wade unverändert. Um überhaupt eine Chance zu haben mitzulaufen, tapte ich die Wade. In der Hoffnung, dass die bunten Klebebänder meinen Lauf retten, packte ich meine Laufsachen zusammen und ruhte mich nur noch aus.

Jetzt sitzen wir in der Bahn, die sich rasch mit Läufern aus der ganzen Umgebung füllt. Immer noch im Dunkeln kommen wir in Köln-Deutz an. Um 7.30 Uhr befinden sich bereits jede Menge Läufer mehr oder weniger angespannt auf dem Vorplatz des Bahnhofs. Laute Musik dröhnt samt gut gelauntem Moderator über den Platz. Diese ganze Atmosphäre ist einfach einzigartig. Um 8.30 Uhr sollen hier gleich 15.000 Menschen starten, um nach 21,1 km am Kölner Dom wieder anzukommen. Um wenigstens noch etwas Energie aufzunehmen, trinke ich ein zuckerhaltiges Energiegetränk und lutsche etwas Traubenzucker, mehr geht nicht.

Der Startschuss zum Halbmarathon

Der Start steht kurz bevor. Die Überlegung nochmal eine Toilette aufzusuchen, bevor es losgeht haben ca. 13.000 andere Menschen auch. Die Schlange vor den Dixi-Klos ist endlos, also entscheide ich mich dagegen, da ich den Start nicht verpassen wollte. Keine gute Idee, wie sich später herausstellt. Die Startblöcke sind in mehrere Farben aufgeteilt, also sortiere ich mich hier ein und möchte einfach nur noch, dass es losgeht.

Pünktlich um 8.30 Uhr ertönt der Startschuss, den ich aber kaum mitbekomme, da sich eine große Menschentraube vor mir befindet. Nach und nach werden die einzelnen Blöcke über die Startlinie geleitet. Ich starte um ca. 8.45 Uhr im mittleren Feld. So viel man vorher auch trainiert, eines kann man nicht trainieren: in einem Pulk von Menschen sein Tempo zu finden. Da laufen vor mir Menschen langsam, hinter mir rasen andere Läufer an mir vorbei. Zudem verengt sich der Weg zu Beginn direkt, da es über die Deutzer Brücke auf die andere Rheinseite geht. Anfangs laufe ich nur im Zick-Zack-Kurs und achte sehr darauf, mit niemandem zu kollidieren. Es vergehen einige Kilometer bis sich endlich kleinere Lücken auftun und ich einen kleinen Laufbereich für mich habe.

Der Lauf und das Toiletten-Problem

Endlich habe ich Zeit mich ein wenig auf mich zu konzentrieren und merke schnell, dass meine Verdauung durch die hohe Laufintensität schnell in Schwung gerät. Ob ich mein Bedürfnis allerdings noch so viele Kilometer zurückhalten konnte? So wie ich da Kilometer für Kilometer laufe bin ich ganz überrascht, dass ich meine Wade kein bisschen spüre. Es zwickt nichts. Ich fühle mich großartig. Nun kann ich auch mal die tolle Stimmung am Streckenrand genießen, überall sind die Kölner schon auf den Beinen und feuern durch Zurufe, Musik oder kleine Snacks an. Was für tolle Zuschauer!

Die erste Verpflegungsstation kann ich noch getrost auslassen, denn bei Nieselregen und kühlen Temperaturen gerate ich noch nicht ins schwitzen. Nach und nach wird die Suche nach einem Dixi-Klo auf der Strecke allerdings immer dringlicher. Da es ein reiner Stadtlauf ist, sind die Grünflächen und Bäume sehr rar. In der Ferne sehe ich zwei Dixi-Klos stehen, allerdings auch schon ein paar Läufer, die auf das Freiwerden der Örtchen warten. Ich bin noch hin-und hergerissen, einerseits wird das Laufen durch das starke Bedürfnis, den Darm zu entleeren, langsam aber sicher zur Qual andererseits möchte ich nicht so viel Zeit verlieren, da ich sowieso schon das Gefühl habe, viel zu langsam zu sein. Also geht es vorbei an den Toiletten.  Und nun wünschte ich, ich wäre nicht weitergelaufen. Also erstmal so weit es geht die Geschwindigkeit erhöhen und ab zu den nächsten mobilen Klos. Nach endlosen Kilometern erreiche ich nun diese und stelle mich in die Warteschlange, denn nun ist mir meine Zeit egal. Dieser Boxenstopp dauerte eine gefühlte Ewigkeit und er gehört definitiv nicht zu meinen schönsten Erlebnissen dieses Halbmarathons.

So, nun geht es erleichtert weiter. Mittlerweile habe ich auch schon die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Die Stimmung am Rand bleibt die ganze Strecke unschlagbar gut. Ich habe meinen Rhythmus gefunden. Nach wie vor lasse ich langsamere Läufer hinter mir, aber ich werde auch von mindestens genauso vielen schnellen Läufern überholt. Ich habe überhaupt kein Gefühl dafür, wie schnell ich unterwegs bin. Mein Handy auf dem ich meine Lauf-App aktiviert habe, habe ich in meinem Laufgürtel verstaut und es ist mir zu mühsam es rauszuholen.

Endspurt

Die Wade meldet sich dank Tape nicht und mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich es ins Ziel schaffen werden. Die Kilometer verstreichen erstaunlich gut, hin und wieder nehme ich Getränke zu mir und der Darm meldet sich wieder. Diesmal müssen allerdings alle Angelegenheiten bis zum Ziel warten. Abgelenkt durch die immer lauter anfeuernden Kölner werde ich quasi durch die mega Stimmung bis zum Kölner Dom getragen. Der rote Teppich und der Ziellauf liegen nun direkt vor mir. Der Versuch eines Zielsprints glückt mir nicht, aber ich laufe über die Ziellinie und habe es geschafft! Ich bin ein Finisher! Ein Halbmarathoni! Was für ein Moment.

Im Zielbereich befinden sich ganz viele Verpflegungsstände, die anscheinend ein Vielfalt an Snacks anbieten. Davon bekomme ich leider allerdings mit. Hier tummeln sich unendlich viel Menschen. Es ist fast kein Durchkommen möglich. Da ich weiß, dass meine Familie am Ausgang auf mich wartet, möchte ich dann auch nur noch schnell da raus. Nach langen Minuten kann ich endlich zu meiner Familie und das nächste WC aufsuchen.

Es war eine grandiose Veranstaltung, die wirklich toporganisiert wurde. Köln, wir kommen wieder!

 

 

 

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