Kleine Kinder – kleine Sorgen das ganz normale Leben

Kleine Kinder – kleine Sorgen das ganz normale Leben

Kleine Kinder – kleine Sorgen – Große Kinder – große Sorgen

Mein Sohn ist gerade wenige Tage alt und leidet unter starken Bauchschmerzen, die Drei-Monats-Koliken. Meine Tochter ist vor Kurzem 3 Jahre alt geworden. Ich leide unter akutem Schlafmangel, Dank des nächtlichen Dauerstillens. Da kommt meine Hebamme zu mir und erzählt von ihren Problemen mit ihren Kindern, die damals um die 10 Jahre alt gewesen sein mochten. Sie sagte, dass sie gerne mit mir tauschen möchte. Sie wünschte sich ihre Kinder hätten nur Bauchschmerzen, sie kämpfte mit Schulproblemen und anderen vorpubertären Leiden ihrer Kinder, deren Ausmaß ich einfach noch nicht begriff. Natürlich nahm sie mich und meine Probleme ernst, aber ich konnte nicht verstehen was sie meinte. Natürlich nicht. Meine größten Sorgen, um meine Kinder bestanden bisher nur aus kleinerer Zickereien im Kindergarten und das Thema Stillen, welche mich auch schon sehr beschäftigten.

Schritte in die Selbstständigkeit

Heute, gute sieben Jahre später begreife ich langsam das Ausmaß des Kinderkriegens, auch ich wünsche mir manchmal die Drei-Monats-Koliken zurück, wenn ich andere Sorgen dafür eintauschen könnte.
Ich habe jeden Schritt meiner Kinder in Richtung Selbstständigkeit gefeiert. Endlich ohne Windel! Endlich ohne Schnuller! Das letzte Mal stillen, das war übrigens etwas, was ich sehr herbeigesehnt habe, ich gehöre wohl zu den wenigen Müttern, die das Stillen nie richtig akzeptieren konnten. Die Aufzählungen könnte ich jetzt endlos weiterführen. Ich war einfach nur stolz über jeden Schritt, den meine Kinder alleine machten. Und ich freute mich über jeden Schritt, den ich wieder alleine machen konnte. Ich weiß noch, dass ich damals sehr alleine mit meinen Gefühlen war und ich mich oft als schlechte Mutter fühlte, da ich nicht gleich sentimental wurde, wenn die Kinder meine Hilfe mal nicht mehr brauchten oder schon früh in den Kindergarten gingen.

Der Ernst des Lebens

Erst der Schuleintritt des Jüngsten stoppte diesen Prozess, da wurde mir langsam klar, dass alles viel zu schnell vergeht. Nun waren die unbeschwerten Zeiten langsam vorbei. Natürlich bedeutet die Schule nicht das Ende, aber es schränkt schon sehr ein. Es fängt damit an, dass man nicht mehr verreisen kann, wann man möchte. Man wird gezwungen mit Millionen anderer Menschen gleichzeitig in die Ferien zu starten. Plötzlich muss man horrende Preise für fragwürdige Pauschalreisen bezahlen. Will oder kann man das nicht, ist man gezwungen sich auf der Autobahn in einer Schlange einzureihen, dessen Ziel der verregnete Nordseestrand ist.

Dann muss man sich wieder mit Lehrern auseinandersetzen. Hat man die nicht gerade erst selber als Schüler hinter sich gelassen? Hat man nicht nach 13 Jahren Schule gefeiert, dass man sie nicht man nicht mehr von Innen sehen muss? Ehe man sich versieht, sitzt man wieder an diesen kleinen Schultischen einem Lehrer gegenüber. Im besten Fall ist es eine nette Grundschullehrerin. Im Schlechtesten der Lateinlehrer vom Gymnasium, der einen selbst schon unterrichtet hat. Die Grundschulzeit ist für die Eltern noch eine Art Schonzeit, eine Zeit in der man Abschied von der Kindheit des eigenen Kindes nehmen kann.

Der Ernst des Lebens beginnt auf der weiterführenden Schule und zwar genau am ersten Schultag und nicht nur für die Kinder. Es werden dreiseitige Listen mit Arbeitsmaterial ausgehändigt, welches die Kinder am nächsten Tag benötigen, inklusive Lichtbild für den Schülerausweis.
Am zweiten Tag folgen bereits, die ersten Hausaufgaben und es wird klar, dass hier die aktive Mithilfe der Eltern gefragt sein wird, als nur inoffiziell, die Kinder sollen das natürlich alles alleine stemmen. Der Nachmittag steht ab sofort nicht mehr zur freien Verfügung, es muss zwischen Terminen, Hausaufgaben machen und Luft holen koordiniert werden.

Vor vielen Jahren, da gab es Zeiten, an denen ich nicht wusste, wie ich den Nachmittag mit zwei kleinen Kindern rumkriegen sollte. Aber sie wollten einfach noch nicht Skip Bo und Uno spielen. Sie konnten mit einer Spielekonsole noch nicht umgehen. Und gerade jetzt, wo es richtig Spaß macht, Zeit mit ihnen zu verbringen, haben sie keine Zeit mehr. Manchmal sehne ich mich nach der Zeit auf dem Spielplatz zurück, wo man in der Sonne saß und zuschaute, wie sich die Kinder gegenseitig mit Sand beschmissen.

Auf jede Umstellung muss man sich neu einlassen, man muss erst wieder Dinge lernen, die man schon längst vergessen hat. Die Kunst mit Kindern zu leben ist, dass man seine Bedürfnisse und die der Kinder und natürlich auch die des Partners in Einklang bringen muss und das ist eine Lebensaufgabe. Nie bleibt alles wie es ist, Dinge verändern sich und der ganze Prozess ist sehr anstrengend, herausfordernd, aber es ist ein Abenteuer. Das Leben eben.

Auf die Kinder vertrauen

Heute möchte ich sie mehr denn je bei all ihren Aufgaben unterstützen, ich möchte ihnen helfen, es ihnen so einfach wie möglich zu machen. Heute darf ich nicht mehr, sie müssen heute wieder ihre Schritte alleine Richtung Zukunft gehen, auch wenn es bedeutet, dass sie scheitern können. Damals war es für mich gar nicht denkbar, dass sie scheitern könnten. Ich wusste sie würden trocken werden, ich wusste sie würden nicht ein Leben lang mit Schnuller im Mund herumlaufen. Es gab da ein Urvertrauen, dass die Dinge sich so entwickeln, wie es sein soll.

Aber tief im Herzen weiß ich, sie werden auch diesmal nicht scheitern, eventuell müssen sie ein paar Umwege gehen, aber sie werden ihren Lebensweg irgendwann ganz alleine beschreiten.

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